Eigentlich wollte Clarissa Grasnick nur eine Küche kaufen. Heute führt sie das Studio, in dem alles begann.
Eine Unternehmensübernahme ist weit mehr als die Übergabe eines Schlüssels. Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, entscheidet zugleich, ob er das Vorhandene lediglich fortführt oder ihm eine eigene Handschrift gibt. Clarissa Grasnick hat sich für den zweiten Weg entschieden und damit für eine Investition, die weit über die reine Übernahme hinausging. Mit Brandenburg GO, dem gemeinsamen Förderkredit der ILB und Bürgschaftsbank Brandenburg, haben wir sie auf diesem Weg begleitet. Inzwischen leitet sie mit der Fläming Küchen e.K. ein wachsendes Unternehmen mit eigener Tischlerei und einem siebenköpfigen Team. Im September 2026 wurde sie dafür mit dem Gründungspreis Brandenburg in der Kategorie Existenzgründerin ausgezeichnet.
Von der Kundin zur Küchenplanerin
Vorgezeichnet war dieser Weg nicht. Als Clarissa Grasnick das Küchenstudio in Treuenbrietzen zum ersten Mal betrat, wollte sie lediglich eine Küche für ihr eigenes Zuhause kaufen. Beruflich kam sie aus einer gänzlich anderen Branche. Aus dem Beratungsgespräch mit dem damaligen Inhaber entwickelte sich jedoch ein Jobangebot, und sie wagte den Quereinstieg. In den folgenden drei Jahren eignete sie sich das Fach in der Praxis an. Sie lernte Hersteller, Materialien und Gerätetechnik kennen und mit anspruchsvollen Raumsituationen umzugehen. 2024 wurde sie als „Küchenplanerin des Jahres“ ausgezeichnet.
Ihren ungewöhnlichen Werdegang versteht sie heute als Stärke: „Ich habe die Branche schließlich zuerst selbst aus Sicht einer Kundin kennengelernt und weiß noch sehr genau, wie es sich anfühlt, vor einer Küchenplanung zu sitzen, ohne all die Fachbegriffe und technischen Zusammenhänge zu kennen.“
Konsequent investieren statt schrittweise sanieren
Als sich die Möglichkeit bot, das Studio zu übernehmen, zeichnete sich ein erheblicher Modernisierungsbedarf ab. Anstatt den Standort über Jahre hinweg Stück für Stück zu erneuern, gründete Clarissa Grasnick bewusst neu. Die Ausstellung wurde bis auf den Estrich zurückgebaut und vollständig neu konzipiert. Zudem wurde die Fassade neu gestaltet und die Elektrik erneuert. Außerdem wurden Fahrzeuge für Montage und Tischlerei angeschafft und die technische Ausstattung modernisiert. „Für mich gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder möglichst günstig übernehmen und anschließend auf einer dauerhaften Baustelle arbeiten – oder einmal konsequent investieren und von Anfang an die Grundlage für das Unternehmen schaffen, das ich dort entwickeln wollte“, sagt sie heute.
Überzeugungsarbeit, die sich gelohnt hat
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die Finanzierungspartner von einer Investition dieser Größenordnung zu überzeugen. Denn der Betrieb hätte sich auch weitgehend unverändert fortführen lassen. Clarissa Grasnick überzeugte mit einem durchdachten Konzept, das weniger auf den Status quo als auf das Potenzial des Standorts setzte. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse teilte diese Einschätzung. Für den benötigten Kreditrahmen reichten die Sicherheiten der Gründerin jedoch nicht aus. An dieser Stelle übernahm die Bürgschaftsbank Brandenburg einen Teil des Kreditrisikos. „Für mich war die Bürgschaft deshalb letztlich die Brücke zwischen einem tragfähigen Unternehmenskonzept und der tatsächlichen Finanzierung“, sagt sie heute.
Wie gut die Beteiligten zusammenarbeiteten, zeigt der Zeitplan. Am 19. Dezember 2024 lag die finale Zusage der Bürgschaftsbank vor, und schon am nächsten Tag gründete Clarissa Grasnick die Fläming Küchen e.K. So konnte das Unternehmen bereits am 1. Januar 2025 an den Start gehen. Der Kapitalbedarf von rund 393.000 Euro wurde über einen Mix aus Eigenmitteln, einem Brandenburg-GO-Darlehen und einem Betriebsmittelrahmen gedeckt.
„Ich hatte nicht das Gefühl, mit meinem Vorhaben allein vor einem großen Finanzierungsapparat zu stehen, sondern Menschen an meiner Seite zu haben, die gemeinsam mit mir nach einer tragfähigen Lösung gesucht haben“, resümiert Clarissa Grasnick.
Rückenwind für Gründungen und Nachfolgen in Brandenburg
Wenn bewährte Standorte in neue Hände übergehen, bleiben Arbeitsplätze, Know-how und regionale Wertschöpfung erhalten. Dafür braucht es Unternehmerinnen und Unternehmer mit Mut und Gestaltungswillen, aber auch Finanzierungen, die nicht an fehlenden Sicherheiten scheitern. Genau hier setzt die Bürgschaftsbank Brandenburg an. Sie sichert Kredite der Hausbanken ab und begleitet Gründungen, Nachfolgen, Wachstum und Stabilisierung, überall dort, wo tragfähige Geschäftsmodelle auf fehlende Sicherheiten treffen.
Was es nicht gibt, wird gebaut
Das Kerngeschäft bleibt die individuelle Küchenplanung. Fläming Küchen bietet Beratung, Planung, Aufmaß, Lieferung und Montage aus einer Hand. Zunehmend plant das Team jedoch ganze Wohnräume. Wo die Programme der Hersteller an ihre Grenzen stoßen, kommt die eigene Tischlerei zum Einsatz. Sie verarbeitet Massivholz vom regionalen Holzhandel und kombiniert dieses mit Naturstein eines Steinmetzbetriebs aus der unmittelbaren Nachbarschaft.
Hinzu kommen Gewerbeprojekte, Aufträge öffentlicher Einrichtungen und eine wachsende Nachfrage nach barrierefreien Küchen, etwa mit elektrisch höhenverstellbaren Arbeitsflächen. Der Grundsatz dahinter ist für Clarissa Grasnick immer derselbe: Nicht der Mensch soll sich an die Küche anpassen, sondern die Küche an den Menschen, der sie täglich nutzt.
Wachstum mit Maß
Die wirtschaftliche Entwicklung bestätigt den eingeschlagenen Weg. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2025 erzielte Fläming Küchen einen Umsatz von rund 754.000 Euro bei positivem Ergebnis. Für 2026 wird ein Umsatz von 1,3 bis 1,4 Millionen Euro erwartet. Am 2. September 2026 überreichte ihr Wirtschaftsministerin Martina Klement in der Biosphäre Potsdam den mit 4.000 Euro dotierten Gründungspreis Brandenburg. Wachsen soll das Unternehmen auch künftig, allerdings mit Bedacht. Für Clarissa Grasnick zählt dabei weniger die Größe als eine solide Aufstellung – mit einem starken Team, modernen Prozessen und einem weiter ausgebauten Gewerbegeschäft.
Rat für andere Gründer
Ihre eigene Erfahrung gibt die sie gern weiter: „Gerade Gründerinnen und Gründer oder Unternehmensnachfolger können vor der Situation stehen, dass ein wirtschaftlich sinnvolles und tragfähiges Vorhaben vorhanden ist, die klassischen Sicherheiten für eine Bankfinanzierung aber nicht ausreichen. Genau dann kann eine Bürgschaft die entscheidende Lücke schließen.“
Fotos ©Fläming Küchen


